Augendruck zu hoch? Ursachen, Normalwerte & Behandlung

Zuletzt aktualisiert am 1. April 2026
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Das Wichtigste in Kürze

Die Diagnose „erhöhter Augendruck“ löst bei vielen Patientinnen und Patienten erst einmal Verunsicherung aus. Besonders Personen mit Risikofaktoren oder familiärer Vorbelastung sind häufig betroffen und sollten aufmerksam sein. In meiner Privatpraxis IRISIOvital in Siegen erlebe ich oft, dass Betroffene sofort an eine Erblindung denken. Doch ein erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch, dass Sie an einem Glaukom (Grüner Star) erkrankt sind – genauso wie ein normaler Wert keine absolute Sicherheit bietet. Die Erkrankung Glaukom ist klar vom bloß erhöhten Augendruck abzugrenzen, da nicht jeder erhöhte Druck zwangsläufig zu einem Glaukom führt. Die Zusammenhänge sind komplexer und erfordern einen ganzheitlichen Blick.

In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen als Fachärztin, was es mit dem Augeninnendruck auf sich hat, warum er individuell betrachtet werden muss und welche modernen Therapiemöglichkeiten wir heute haben, um Ihr Augenlicht langfristig zu bewahren. Fundierte Informationen sind dabei entscheidend, um den Augendruck richtig einzuschätzen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Was versteht man eigentlich unter Augendruck?

Der Augeninnendruck (medizinisch: intraokularer Druck) ist der physikalische Druck, der im Inneren des Augapfels herrscht und durch das sogenannte Kammerwasser reguliert wird.

Dieses Kammerwasser wird im Auge gebildet, um die Linse und die Hornhaut mit Nährstoffen zu versorgen. Es zirkuliert zwischen der Regenbogenhaut (Iris) und der Linse. Die Pupille dient dabei als Öffnung zwischen der hinteren und vorderen Augenkammer, durch die das Kammerwasser fließt. Der Abfluss des Kammerwassers erfolgt hauptsächlich über den Schlemm Kanal, einen zirkulär angeordneten Kanal im Kammerwinkel, der für die Regulierung des Augendrucks entscheidend ist. Damit der Druck stabil bleibt, muss genauso viel Flüssigkeit abfließen, wie produziert wird. Ist dieser Abfluss gestört – stellen Sie es sich wie ein verstopftes Sieb im Waschbecken vor –, staut sich das Wasser und der Druck steigt an. Ein gesunder Druck ist wichtig, um die Kugelform des Auges zu erhalten und die Netzhaut auf der hinteren Seite des Auges stabil an der Augenwand zu halten. Steigt er jedoch zu stark an, drückt er auf die empfindlichen Fasern des Sehnervs und die Blutgefäße, was langfristig zu deren Absterben führen kann.

Der Augendruck ist ein dynamisches Gleichgewicht aus Flüssigkeitsproduktion und -abfluss, dessen Störung den Sehnerv gefährden kann.

Person nutzt Augentropfen

Welche Werte gelten als normal und wann ist der Augendruck zu hoch?

Statistisch gesehen gilt ein Augeninnendruck bis zu 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) als normal, doch dieser Grenzwert ist in der modernen Augenheilkunde nicht mehr das alleinige Maß aller Dinge.

Es ist wichtig zu verstehen, dass der „normale“ Druck sehr individuell ist. Wir sehen in unserer Praxis in Siegen Patienten, die einen Druck von 24 oder gar 30 mmHg haben, deren Sehnerv aber völlig gesund ist, dies nennen wir „okuläre Hypertension“. Der Unterschied zwischen okulärer Hypertension und Normaldruckglaukom besteht darin, dass bei der okulären Hypertension der Sehnerv trotz erhöhtem Druck intakt bleibt, während beim Normaldruckglaukom der Sehnerv bereits bei normalen Druckwerten geschädigt wird. Umgekehrt gibt es das sogenannte „Normaldruckglaukom“: Hier liegen die Werte im statistischen Normbereich (z. B. bei 18 mmHg), aber der Sehnerv nimmt trotzdem Schaden, oft aufgrund einer schlechten Durchblutung oder eines Missverhältnisses zwischen Augeninnendruck und Hirndruck. Zudem können Schwankungen des Augendrucks im Tagesverlauf oder zwischen einzelnen Messungen auftreten, was die Diagnose erschwert, da gerade diese Schwankungen das Risiko für Sehnervschäden erhöhen können. Deshalb definiere ich für jeden Patienten einen individuellen „Zieldruck“, der sicherstellt, dass der Sehnerv keinen Schaden nimmt.

Kurz: Ein Wert über 21 mmHg ist ein Warnsignal, aber die Bewertung, ob der Druck „zu hoch“ ist, hängt immer von der individuellen Widerstandskraft Ihres Sehnervs ab.

Welche Ursachen führen zu einem erhöhten Augendruck?

Die häufigste Ursache für einen Anstieg des Augendrucks ist eine Abflussbehinderung des Kammerwassers im sogenannten Trabekelmaschenwerk des Auges. Veränderungen im Augengewebe oder im Abflusssystem können dazu führen, dass das Kammerwasser nicht mehr richtig abfließt und so eine Erhöhung des Augendrucks entsteht, wenn die Balance zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers gestört ist.

Diese Abflussstörung kann verschiedene Gründe haben. Mit zunehmendem Alter arbeitet das Gewebe oft nicht mehr so effizient. Zudem spielen genetische Faktoren eine große Rolle: Wenn in Ihrer Familie bereits Grüner Star bekannt ist, haben Sie ein erhöhtes Risiko. Spezifische Ursachen können Ablagerungen im Auge sein, wie beim Pseudoexfoliationsglaukom (PEX) oder Pigmentablagerungen, die die feinen Abflusskanäle verstopfen. Auch die langzeitige Einnahme von Medikamenten, insbesondere Kortison (egal ob als Tabletten, Spray oder Salbe), kann den Augendruck massiv erhöhen. Zudem können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere ein sehr niedriger Blutdruck, die Empfindlichkeit des Sehnervs gegenüber dem Augendruck erhöhen, da die Blutversorgung des Sehnervs eine wichtige Rolle spielt. Diabetes mellitus gilt ebenfalls als Risikofaktor für erhöhten Augendruck und die Entstehung eines Glaukoms. Andere systemische Erkrankungen oder Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen und sollten bei der Diagnose berücksichtigt werden.

Meistens liegt eine altersbedingte, genetische oder durch Ablagerungen verursachte Verstopfung der Abflusswege vor, die den Druck im Auge ansteigen lässt. Das Problem eines unbehandelten erhöhten Augendrucks besteht darin, dass es zu schwerwiegenden Folgen wie einer Schädigung des Sehnervs oder sogar Sehverlust kommen kann. Die Entstehung eines Glaukoms ist häufig die Folge eines chronisch erhöhten Augendrucks, der lange Zeit unbemerkt bleiben kann.

Spüre ich, wenn mein Augendruck zu hoch ist?

Nein, in den allermeisten Fällen spüren Sie einen erhöhten Augendruck überhaupt nicht, weshalb wir das Glaukom auch als „leisen Dieb der Sehkraft“ bezeichnen.

Dies betrifft das weit verbreitete „Offenwinkelglaukom“. Da der Druck meist schleichend über Jahre ansteigt, gewöhnt sich das Auge daran. Schmerzen oder Rötungen fehlen völlig. Bereits früh können Gesichtsfeldausfälle auftreten, die jedoch oft unbemerkt bleiben. Viele Patienten bemerken die Symptome erst spät, da das Gehirn die Ausfälle lange kompensiert oder das zweite Auge einspringt. Im Verlauf kommt es zu einer Verschlechterung des Sehvermögens, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium des Glaukoms. Unbehandelter Druckanstieg kann zu einer Schädigung des Sehnervs führen, was letztlich einen irreversiblen Sehverlust zur Folge hat. Erst wenn der Schaden weit fortgeschritten ist, bemerken Betroffene, dass Teile des Bildes fehlen, dann ist der Sehnerv jedoch oft schon irreversibel geschädigt. Zur Diagnostik bei Verdacht auf Glaukom gehört auch die Untersuchung des Augenhintergrunds, um Veränderungen am Sehnerv frühzeitig zu erkennen.

Eine wichtige Ausnahme ist das Winkelblockglaukom: Hier steigt der Druck innerhalb kürzester Zeit extrem an (oft über 50 mmHg). Typische Beschwerden sind ein steinhartes, hochrotes Auge, massive Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie Nebelsehen. Diese Beschwerden treten plötzlich und heftig auf und stellen einen absoluten Notfall dar. In diesem Fall ist schnelle Hilfe entscheidend, um irreversible Schäden am Auge zu verhindern.

Chronisch erhöhter Augendruck verläuft fast immer symptomlos, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen die einzige Möglichkeit zur Früherkennung sind.

Wie diagnostizieren wir bei IRISIOvital Probleme mit dem Augendruck?

Eine reine Druckmessung reicht für eine verlässliche Diagnose nicht aus; wir setzen daher auf eine Kombination aus umfassender Untersuchung, Druckmessung, Sehnerv-Beurteilung und Hightech-Bildgebung.

Eine gründliche Untersuchung ist entscheidend, um Augenerkrankungen wie erhöhten Augendruck oder Glaukom frühzeitig zu erkennen. Der Augenarzt spielt dabei eine zentrale Rolle, da er die verschiedenen diagnostischen Verfahren fachgerecht durchführt und die Ergebnisse bewertet. Da, wie erwähnt, auch bei „normalem“ Druck Schäden entstehen können, schauen wir uns in meiner Praxis in Siegen immer das Gesamtbild an. Dazu gehört:

1

Tonometrie

Die präzise Messung des Augendrucks.

2

Spaltlampenuntersuchung

Mikroskopische Betrachtung des Sehnervenkopfes – typische Aushöhlungen werden so sichtbar.

3

Gesichtsfeldmessung (Perimetrie)

Prüft, ob bereits Ausfälle in der Wahrnehmung vorhanden sind.

4

OCT – Optische Kohärenztomografie Wichtigstes Instrument

Messung der Nervenfaserschicht auf den Mikrometer genau. Gewebeschwund wird erkennbar, lange bevor das Sehen selbst nachlässt.

Regelmäßige Augendruckmessungen im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um Risiken frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu handeln. Ein optimaler Rahmen für die Diagnostik und Betreuung umfasst moderne Technik, erfahrene Spezialisten und eine ganzheitliche Betrachtung Ihrer Augengesundheit. Die Zusammenarbeit mit Spezialisten gewährleistet, dass Sie bei Bedarf eine weiterführende Diagnostik und Therapie auf höchstem Niveau erhalten. Umfassende Informationen über Ihren Befund und die möglichen Therapieoptionen sind essenziell, damit gemeinsam die beste Entscheidung für Ihre Behandlung getroffen werden kann.

Nur durch das Zusammenspiel von Druckmessung und bildgebender Sehnerv-Diagnostik (OCT) können wir sicher feststellen, ob eine Behandlung notwendig ist.

Wie lässt sich ein zu hoher Augendruck behandeln?

Die Senkung des Augendrucks ist derzeit die einzige wirksame Methode, um das Fortschreiten eines Glaukoms zu stoppen und die Sehkraft zu erhalten. Frühzeitige Behandlung bietet entscheidende Hilfe, um bleibende Schäden am Sehnerv zu verhindern.

Die Therapie wird individuell auf Ihren Zieldruck abgestimmt. Meist beginnen wir mit Augentropfen, die die Produktion des Kammerwassers drosseln oder den Abfluss verbessern. Diese müssen zuverlässig (ein- bis mehrmals täglich) angewendet werden. Wenn Tropfen nicht ausreichen oder nicht vertragen werden, bieten wir moderne Laserverfahren an, wie die SLT (Selektive Lasertrabekuloplastik), die den Abfluss auf sanfte Weise wieder anregt. Reicht auch das nicht, kommen operative Maßnahmen infrage. Heute nutzen wir bevorzugt minimalinvasive Verfahren (MIGS), bei denen winzige Stents implantiert werden, um den Abflussweg offen zu halten. Der Schlemm Kanal spielt hierbei eine zentrale Rolle, da er als zirkulärer Kanal im Kammerwinkel den Abfluss des Kammerwassers reguliert und so maßgeblich zur Kontrolle des Augendrucks beiträgt. Bei komplexen oder therapierefraktären Fällen ist die Einbindung von Spezialisten für eine optimale Behandlung besonders wichtig. Ergänzend rate ich zu einer gesunden Lebensweise: Entspannungstechniken helfen, da Stress den Druck erhöhen kann. Nahrungsergänzungsmittel wie Coenzym Q10 oder Citrullin können die Sehnerv-Versorgung unterstützen. Vorsicht ist geboten bei Sportarten mit extremen Kopfüber-Positionen (z. B. lange Kopfstände beim Yoga) oder dem Spielen von Hochdruck-Blasinstrumenten.

Durch Tropfen, Laser oder minimalinvasive Chirurgie senken wir den Druck effektiv, um Ihren Sehnerv dauerhaft vor weiteren Schäden zu schützen. Werden erhöhte Augendruckwerte nicht ausreichend behandelt, können schwerwiegende Folgen wie ein fortschreitender Sehverlust oder sogar Erblindung auftreten.

Ganzheitliche Untersuchung in unserer Praxis

Die Untersuchung eines erhöhten Augendrucks in unserer Praxis IRISIOvital erfolgt ganzheitlich und schmerzfrei. Neben der Messung des Augeninnendrucks beurteilen wir immer auch den Sehnerv und prüfen mithilfe moderner Diagnostik wie OCT und Gesichtsfeldmessung, ob bereits Veränderungen vorliegen.

Im anschließenden Gespräch erkläre ich Ihnen alle Ergebnisse verständlich und wir legen gemeinsam fest, ob und welche Behandlung oder Kontrollen sinnvoll sind.

Sie möchten Ihren Augendruck überprüfen lassen?

Vereinbaren Sie gerne einen Termin für eine umfassende Untersuchung und persönliche Beratung in unserer Praxis in Siegen. Wir sind für Sie da.

Praxis IRISIOvital
Dr. med. Christine Heun
Europastraße 13, 57072 Siegen
Telefon: 0271 31 30 77 17

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Kann Stress den Augendruck erhöhen?

Ja, Stress kann indirekt Auswirkungen auf den Augendruck und die Durchblutung des Sehnervs haben. Ein dauerhaft hohes Stresslevel kann das vegetative Nervensystem beeinflussen und Gefäßregulationen stören. Entspannungsverfahren sind daher eine sinnvolle Ergänzung zur augenärztlichen Therapie.

Ist ein Glaukom heilbar?

Nein, ein Glaukom ist nicht heilbar, da abgestorbene Sehnervenfasern nicht nachwachsen können. Die Schädigung des Sehnervs ist irreversibel. Das Ziel der Behandlung ist es jedoch, den Krankheitsprozess zu stoppen und das Sehvermögen so lange wie möglich zu erhalten.

Wie oft sollte ich meinen Augendruck messen lassen?

Ab dem 40. Lebensjahr empfehlen wir eine jährliche Vorsorgeuntersuchung. Liegen Risikofaktoren wie Glaukom in der Familie, Kurzsichtigkeit, Diabetes mellitus oder andere relevante Vorerkrankungen vor, sollten die Kontrollen schon früher und ggf. engmaschiger erfolgen. In der Regel wird eine regelmäßige Untersuchung des Augendrucks und des Sehnervs beim Augenarzt empfohlen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Gibt es Symptome bei angeborenem Glaukom (bei Kindern)?

Ja, im Gegensatz zu Erwachsenen zeigt sich ein angeborenes Glaukom oft deutlich. Warnsignale sind auffällig große Augen (“schöne große Augen”), Lichtscheu, Tränenfluss und eine Trübung der Hornhaut. Bei solchen Symptomen ist schnelle Hilfe durch einen Augenarzt erforderlich, da eine frühzeitige Behandlung entscheidend ist.

Bild von Dr. med. Christine Heun
Dr. med. Christine Heun

Fachärztin für Augenheilkunde

Dr. med. Christine Heun ist Fachärztin für Augenheilkunde und leitet die Praxis IRISIOvital in Siegen, wo sie moderne Augenmedizin mit ganzheitlicher, empathischer Betreuung verbindet.